PLASTISCHE KINDERCHIRURGIE
Kindliche Handfehlbildungen
Syndaktylie und Hexadaktylie
Handfehlbildungen zählen zu den häufigsten angeborenen Anomalien des
Bewegungsapparates und können einzeln oder im Rahmen genetischer Syndrome
auftreten. Zu den häufigsten Formen gehören die Syndaktylie (Verwachsung von
Fingern) und die Hexadaktylie (Vorhandensein eines zusätzlichen Fingers). Beide
Fehlbildungen entstehen während der Embryonalentwicklung zwischen der 4. und 8.
Schwangerschaftswoche, wenn die Trennung oder Ausbildung der Fingeranlagen
gestört ist.
Die Syndaktylie betrifft etwa 1 von 2.000 bis 3.000 Neugeborenen. Dabei sind zwei oder
mehrere Finger durch Haut, Weichteile oder seltener auch durch Knochen miteinander
verbunden. Man unterscheidet einfache (nur Weichteile) und komplexe Formen (mit
knöcherner Verwachsung). Häufig sind Mittel- und Ringfinger betroffen. In den meisten
Fällen ist die Ursache genetisch bedingt, teils tritt die Anomalie aber auch spontan auf.
Die Behandlung erfolgt operativ, meist zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat, um die
funktionelle Entwicklung der Hand zu fördern und Wachstumsstörungen zu vermeiden.
Die Hexadaktylie, auch Polydaktylie genannt, bezeichnet das Vorhandensein eines
zusätzlichen Fingers. Diese Fehlbildung tritt bei etwa 1 von 1.000 Geburten auf und
kann sowohl an der Daumen- als auch an der Kleinfingerseite vorkommen. Der
überzählige Finger ist häufig rudimentär, manchmal jedoch voll ausgebildet und
funktionsfähig. Auch hier kann eine familiäre Häufung vorliegen, insbesondere bei
autosomal-dominanter Vererbung. Die operative Korrektur erfolgt in der Regel im
frühen Kindesalter, um die Greiffunktion und die kosmetische Erscheinung der Hand
zu verbessern.
Neben der chirurgischen Behandlung spielt die interdisziplinäre Nachsorge eine
wichtige Rolle. Ergotherapie, Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung helfen,
die Handfunktion optimal zu entwickeln und mögliche Selbstwertprobleme zu
vermeiden. Dank moderner mikrochirurgischer Techniken und frühzeitiger Diagnostik
sind die funktionellen und ästhetischen Ergebnisse heute in den meisten Fällen exzellent.
